Was ist die Laktatschwelle und die Trainingsintensitätsverteilung?
Die Laktatschwelle ist die Belastungsintensität, ab der sich Laktat schneller im Blut ansammelt, als der Körper es abbauen kann. Die Trainingsintensitätsverteilung beschreibt, wie du deine gesamte Trainingszeit auf drei physiologische Bereiche aufteilst: niedrig (unter LT1), moderat (zwischen LT1 und LT2) und hoch (über LT2). Laut Seiler (2010) hat diese Verteilung einen größeren Einfluss auf die Ausdauerleistung als das reine Trainingsvolumen.
Drei Modelle dominieren die Sportwissenschaft: pyramidal, polarisiert und Schwellentraining. Ein viertes Konzept, das Doppelschwellen-Training, hat durch die Erfolge norwegischer Mittel- und Langstreckenläufer weltweit Aufmerksamkeit erregt. Jedes Modell verteilt die Trainingszeit unterschiedlich auf die Intensitätsbereiche — und die falsche Wahl kann monatelange Stagnation statt Fortschritt bedeuten.
TrainingZones.io erklärt dir jedes Modell, damit du deine Laktatschwelle gezielt trainieren und intelligenter statt härter trainieren kannst.
Was sind die 3 physiologischen Intensitätsbereiche?
Die Belastungsintensität gliedert sich in drei Bereiche, die auf zwei Laktatschwellen basieren — LT1 und LT2 (Seiler & Kjerland, 2006). Jedes Trainingsmodell nutzt dieselben Grenzen, nur die Zeitverteilung in den einzelnen Zonen unterscheidet sich.
- Zone 1 (unter LT1) — rein aerobe Arbeit. Fettverbrennung dominiert, die Atmung ist entspannt, Unterhaltung problemlos möglich. Das ist die Grundlagenausdauer.
- Zone 2 (LT1 bis LT2) — die Übergangszone, in der sich Laktat allmählich ansammelt. Tempotempo, Marathonbelastung. Anstrengend, aber 30-60 Minuten durchhaltbar. Hier liegt die erste Laktatschwelle (LT1) am unteren Rand.
- Zone 3 (über LT2) — hohe Intensität. Laktat steigt rapide an. VO2max-Intervalle, Sprints. Nur wenige Minuten durchhaltbar.
Trainingsmodelle mit 5 oder 7 Zonen (Coggan fürs Radfahren, Daniels fürs Laufen) unterteilen diese drei Bereiche für mehr praktische Präzision, aber die zugrundeliegende Physiologie bleibt identisch.
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Übersicht Trainingsintensitätsmodelle
Entdecken Sie vier Trainingsansätze und ihre Zonenverteilung
Wie funktioniert das pyramidale Training?
Pyramidales Training ist die am häufigsten beobachtete Intensitätsverteilung bei Ausdauer-Leistungssportlern im regulären Training (Esteve-Lanao et al., 2005). Der Name stammt von der pyramidenförmigen Verteilung: die meiste Zeit bei niedriger Intensität, weniger bei moderater, am wenigsten bei hoher.
- Zone 1: ca. 75 % der Trainingszeit
- Zone 2: ca. 15 %
- Zone 3: ca. 10 %
Dieses Modell baut eine starke aerobe Basis auf und enthält gleichzeitig genug Schwellenreiz, um Anpassungen auszulösen. Es funktioniert am besten für Sportler, die 8-15 Stunden pro Woche trainieren und stetige, nachhaltige Fortschritte ohne Übertrainingsrisiko anstreben.
Der pyramidale Ansatz ist besonders effektiv in der Aufbauphase einer Saison. Er entwickelt das Herz-Kreislauf-System, verbessert die Fettverbrennung und schafft die aerobe Grundlage, auf der alle intensiveren Trainingsformen aufbauen.
Was ist polarisiertes Training (80/20)?
Polarisiertes Training widmet ca. 80 % des Trainingsvolumens der niedrigen Intensität und 20 % der hohen Intensität, mit minimalem Anteil an moderatem Training nahe der Laktatschwelle. Von Stephen Seiler (2010) populär gemacht, hat dieses Modell in vergleichenden wissenschaftlichen Studien die größten Leistungsverbesserungen hervorgebracht.
- Zone 1: ca. 80 % der Trainingszeit
- Zone 2: nur ca. 5 %
- Zone 3: ca. 15 %
Die zentrale Erkenntnis hinter polarisiertem Training: Die Tempozone (zwischen LT1 und LT2) erzeugt erhebliche Ermüdung bei relativ geringer Anpassung. Wenn du sie minimierst, erholst du dich besser von harten Einheiten und kannst mehr produktives lockeres Volumen sammeln.
Die wegweisende Studie von Stöggl & Sperlich (2014) verglich vier Modelle über 9 Wochen bei trainierten Athleten. Die polarisierte Gruppe zeigte die größten Verbesserungen bei VO2max (+11,7 %), Schwellenzeit und Zeitfahrleistung.
Dieses Modell ist besonders effektiv beim Laufen, Radfahren, Skilanglauf und Rudern für fortgeschrittene Sportler, die 8-12+ Stunden pro Woche trainieren können. Bei TrainingZones.io empfehlen wir den polarisierten Ansatz als wissenschaftlich fundierten Einstieg in die Intensitätsverteilung.
Wie funktioniert Schwellentraining?
Schwellentraining ist ein Modell, das einen großen Anteil der Trainingszeit an oder nahe der Laktatschwelle konzentriert (Zone 2 im 3-Zonen-Modell). Das Ziel: die Intensität anheben, ab der Laktat sich ansammelt. Das ist die „Sweet Spot"-Zone beim Radfahren und das Halbmarathon-Tempo beim Laufen.
- Zone 1: ca. 40 % der Trainingszeit
- Zone 2: ca. 50 %
- Zone 3: ca. 10 %
Für Freizeitsportler mit begrenzter Trainingszeit (5-8 Stunden/Woche) kann Schwellentraining praktischer sein, weil es mit weniger Einheiten Ergebnisse liefert als das polarisierte Modell erfordert.
Wichtiger Hinweis: Laut Stöggl & Sperlich (2014) ist dieses Modell kurzfristig effektiv (4-6 Wochen), erhöht aber mittelfristig das Risiko von Übertraining und Stagnation. Der Körper gewöhnt sich an den Reiz und die Fortschritte stagnieren. Schwellenblöcke müssen mit Volumenphasen abgewechselt werden.
Was ist das Doppelschwellen-Training?
Das Doppelschwellen-Training (Double Threshold Training) ist eine Methode, die durch norwegische Langstreckenläufer wie Jakob Ingebrigtsen berühmt wurde. Dabei absolvierst du zwei Schwelleneinheiten an einem einzigen Tag — typischerweise morgens und nachmittags — um die Gesamtzeit an der Laktatschwelle zu maximieren, ohne dass eine einzelne Einheit zu erschöpfend wird.
Ein typischer Doppelschwellen-Tag:
- Morgeneinheit: 25-30 Minuten an der Laktatschwelle (gesteuert nach Blutlaktat von 2-4 mmol/L)
- Erholung zwischen den Einheiten: 4-6 Stunden
- Nachmittagseinheit: 25-30 Minuten an der Laktatschwelle
Dieser Ansatz ermöglicht es, an einem Tag 50-60 Minuten an der Schwelle zu sammeln, während jede einzelne Einheit gut machbar bleibt. Das norwegische Team absolviert typischerweise 2-3 Doppelschwellen-Tage pro Woche, die restlichen Einheiten bleiben bei niedriger Intensität.
Das Doppelschwellen-Training erfordert eine präzise Intensitätssteuerung. Eine GPS-Uhr mit Laktatschwellen-Schätzung wie die Garmin Forerunner 265 hilft dir, in der richtigen Zone zu bleiben — ohne Blutlaktatanalysegerät.
Diese Methode eignet sich vor allem für fortgeschrittene Athleten, die 12+ Stunden pro Woche trainieren und bereits über eine starke aerobe Basis verfügen. Erfahre mehr über diesen Ansatz in unserem Norwegian-Method-Guide.
Welches Trainingsmodell ist am effektivsten?
Trainingsintensitätsverteilung
Vergleichen Sie drei beliebte Intensitätsverteilungsmodelle
⚡ Polarized 80/20: Lots of easy + lots of hard, almost nothing in between. Produced the best improvements in VO2max and time-trial performance (Stöggl & Sperlich 2014).
Das TrainingZones.io-Team hat die wichtigsten Ergebnisse der großen Vergleichsstudien zusammengestellt. Laut der Forschung von Stöggl & Sperlich (2014) erzielte polarisiertes Training die größten Verbesserungen bei VO2max und Zeitfahrleistung im Vergleich zu Schwellentraining, pyramidalem Training und Hochvolumentraining bei trainierten Ausdauersportlern.
Pyramidal
- Baut die stärkste aerobe Basis auf
- Geringstes Übertrainingsrisiko
- Am besten für: Aufbauphasen, 8-15 Std./Woche
- Forschung: am häufigsten beobachtet bei Eliteathleten im regulären Training
Polarisiert 80/20
- Größte gemessene Leistungssteigerungen
- Geringes Übertrainingsrisiko trotz hoher Intensität
- Am besten für: Plateaus durchbrechen, Wettkampfvorbereitung, 8-12 Std./Woche
- Forschung: beste Ergebnisse in Stöggl & Sperlich (2014) über alle Metriken
Schwellentraining
- Zeiteffizientestes Modell pro Einheit
- Höchstes Übertrainingsrisiko
- Am besten für: zeitknappe Sportler, 6-8-Wochen-Blöcke
- Forschung: kurzfristig effektiv, abnehmender Nutzen nach 6 Wochen
Doppelschwellen-Training
- Maximiert die Schwellenanpassung ohne Einzeleinheits-Erschöpfung
- Erfordert präzise Intensitätsüberwachung
- Am besten für: fortgeschrittene Athleten, 12+ Std./Woche
- Forschung: eingesetzt von norwegischen Olympiamedaillengewinnern seit 2018
Wie kann man die Laktatschwelle berechnen?
Die Laktatschwelle zu kennen ist entscheidend, um jedes Trainingsmodell korrekt anwenden zu können. Es gibt mehrere Wege, sie ohne Labortest zu schätzen — eine Laktatschwelle Tabelle oder ein Feldtest liefern brauchbare Näherungswerte.
- Nutze eine GPS-Uhr mit integrierter Laktatschwellenerkennung (Garmin, Polar und COROS bieten diese Funktion)
- Führe einen 30-Minuten-Feldtest durch: Laufe oder fahre mit der härtesten Belastung, die du 30 Minuten durchhalten kannst. Deine durchschnittliche Herzfrequenz der letzten 20 Minuten entspricht ungefähr deinem LT2
- Nutze den Sprechtest: LT1 liegt ungefähr dort, wo du dich nicht mehr bequem unterhalten kannst. LT2 ist dort, wo du nur noch wenige Worte zwischen den Atemzügen sprechen kannst
- Lass einen laborbasierten Laktatstufentest für maximale Genauigkeit durchführen
Sobald du deine Schwellen kennst, nutze die kostenlosen TrainingZones.io-Rechner für deine personalisierten Trainingszonen: unseren Herzfrequenzzonen-Rechner oder unseren FTP-Rechner fürs Radfahren.
Unsere Empfehlung für präzises Schwellentracking: Der Polar H10 Brustgurt liefert labornahe Herzfrequenzgenauigkeit, die Handgelenksensoren nicht erreichen — besonders über 170 bpm. Unverzichtbar für präzises Schwellentraining.
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Erfahrungsstufe
Ausdauer-Leistungssportler, die 15-25+ Stunden pro Woche trainieren können, profitieren am meisten von polarisiertem Training, weil das hohe Volumen lockerer Einheiten die aerobe Kapazität aufbaut, während intensive Einheiten die Anpassung antreiben.
Hier sind forschungsbasierte Empfehlungen nach Profil:
Gerade erst angefangen? Beginne mit dem pyramidalen Modell. Baue deine aerobe Basis mit 75 % lockerem Volumen und etwas Tempoarbeit auf. Das ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.
Stagnierst du? Wechsle zu polarisiert. Reduziere das Tempotraining, steigere die Intensität deiner harten Einheiten. Die Forschung ist eindeutig: Das ist der beste Ansatz, um ein Plateau zu durchbrechen.
Wenig Zeit (unter 6 Std./Woche)? Schwellentraining funktioniert für 6-8-Wochen-Blöcke. Wechsle mit lockeren Volumenphasen ab, um Übertraining zu vermeiden.
Fortgeschrittener Athlet in Wettkampfvorbereitung? Kombiniere polarisierte Verteilung mit Blockperiodisierung. Starte mit einem aeroben Block, dann ein Schwellenblock, dann wettkampfspezifische Arbeit.
TrainingZones.io bietet kostenlose Rechner für jeden Ausdauersport. Nutze unseren Laufzonen-Rechner, um tempobasierte Zonen für deine Läufe zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen zur Laktatschwelle
Was ist die Laktatschwelle?
Die Laktatschwelle ist die Belastungsintensität, ab der sich Laktat schneller im Blut ansammelt, als der Körper es abbauen kann. Man unterscheidet LT1 (aerobe Schwelle, Beginn der Laktatakkumulation) und LT2 (anaerobe Schwelle, ab der Laktat exponentiell ansteigt). Die Laktatschwelle ist ein zentraler Indikator für die Ausdauerleistungsfähigkeit.
Was bringt Schwellentraining?
Schwellentraining hebt die Intensität an, bei der Laktat sich im Blut ansammelt, und verbessert so die Ausdauerleistung. Bei ca. 50 % der Trainingszeit an der Schwelle zeigt es kurzfristig starke Ergebnisse (4-6 Wochen), birgt aber laut Stöggl & Sperlich (2014) ein erhöhtes Übertrainingsrisiko bei längeren Blöcken.
Was ist die Laktatschwelle beim Laufen?
Beim Laufen entspricht die Laktatschwelle (LT2) ungefähr dem Tempo, das du 45-60 Minuten im Wettkampf durchhalten kannst — also in etwa Halbmarathontempo für trainierte Läufer. Du erkennst sie daran, dass du nur noch wenige Worte zwischen den Atemzügen sprechen kannst.
Was bedeutet Laktatschwelle?
Laktatschwelle bezeichnet den Punkt, an dem die Laktatproduktion die Laktatbeseitigung übersteigt. Unter der Laktatschwelle (LT1) läuft die Energiebereitstellung hauptsächlich aerob. Über LT2 steigt das Laktat so schnell an, dass die Belastung nur noch wenige Minuten durchgehalten werden kann.
Was ist polarisiertes Training?
Polarisiertes Training ist ein Intensitätsmodell, bei dem ca. 80 % des Trainings bei niedriger Intensität (unter LT1) und 20 % bei hoher Intensität (über LT2) stattfinden, mit minimalem Anteil in der Tempozone. Stöggl & Sperlich (2014) zeigten, dass dieses Modell die besten Verbesserungen bei VO2max und Zeitfahrleistung erzielt.
Wie kann man die Laktatschwelle verbessern?
Du kannst deine Laktatschwelle durch regelmäßiges Training an oder nahe der Schwellenintensität anheben. Tempoläufe von 20-40 Minuten, Schwellenintervalle (z. B. 2x20 min an der Schwelle) und Steady-State-Fahrten im Sweet-Spot-Bereich zielen auf diese Anpassung ab. Konstanz über 6-12 Wochen ist wichtiger als eine einzelne Einheit.
Referenzen
- Seiler S (2010). What is Best Practice for Training Intensity and Duration Distribution in Endurance Athletes? Int J Sports Physiol Perform, 5(3):276-291.
- Stöggl T, Sperlich B (2014). Polarized Training Has Greater Impact on Key Endurance Variables than Threshold, High-Intensity, or High-Volume Training. Front Physiol, 5:33.
- Esteve-Lanao J et al. (2005). How Do Endurance Runners Actually Train? Med Sci Sports Exerc, 37(3):496-504.
